Ein kürzlich vor der Küste Dänemarks aufgetretener Vorfall hat die Aufmerksamkeit auf das Problem der zurückgelassenen, verlorenen oder anderweitig weggeworfenen Fischereiausrüstung (ALDFG) gelenkt – gemeinhin als Geisternetz bezeichnet.
Forscher haben eine Autopsie an einem 20 Tonnen schweren Pottwal durchgeführt, der Anfang Februar nahe Aalbæk in Nordjütland gestrandet war, um die Todesursache zu ermitteln. Im Ösophagus des Wals wurden 11.9 Kilogramm Fischernetze gefunden, was zu seinem Tod durch Verhungern führte. Der Fall verdeutlicht die potenziellen Gefahren, die Geisternetze für Meerestiere darstellen können.
Der Vorfall verdeutlicht zudem ein Problem, das in Dänemark bis vor Kurzem nicht allgemein als gravierend angesehen wurde. Vor 2019 gingen offizielle Einschätzungen davon aus, dass ALDFG nur in geringem und diffusem Umfang vorkomme. Untersuchungen im Limfjord, einer großen Flussmündung im Norden des Landes, haben jedoch seither ein komplexeres Bild ergeben.

Luftaufnahme eines Abschnitts des Limfjords
Lehren aus dem Limfjord: Von zwei Netzen zu 41 Tonnen
Im Jahr 2019 begann der Limfjords-Rat in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs, den Verlust einiger weniger Netze zu untersuchen. Mithilfe lokaler Berufs- und Freizeitfischer wurde jedoch deutlich, dass das Problem weitaus größer war.
Man war bisher davon ausgegangen, dass der Großteil der Fanggeräte versehentlich verloren gegangen war, beispielsweise durch schlechtes Wetter oder Schiffsverkehr. Eine Untersuchung der geborgenen Fanggeräte legte jedoch etwas anderes nahe. Viele Netze und Reusen wiesen Spuren auf, die darauf hindeuteten, dass sie absichtlich von ihren Markierungsbojen abgetrennt worden waren, was darauf schließen lässt, dass ein Teil der Fanggeräte möglicherweise absichtlich zurückgelassen wurde.
Diese Praxis steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Rückgang der Fischerei im Limfjord in den 1990er Jahren, wodurch viel Ausrüstung ungenutzt blieb. Als sich die Hummerbestände später erholten, wurde die Fischerei wieder rentabel. Mangels lokaler Vorschriften setzten einige Fischer sehr große Mengen an Fanggeräten ein, unter anderem um Fanggründe zu sichern. Wenn Netze und Reusen mit Treibgut verschmutzt oder von Meeresorganismen überwuchert sind, kann der Aufwand für deren Bergung beträchtlich sein. In einigen Fällen scheint dies dazu geführt zu haben, dass die Fanggeräte einfach abgeschnitten und an Ort und Stelle belassen wurden.
Es ist anzumerken, dass viele Fischer diese Praxis nicht gutheißen. Einige haben bei den Bemühungen zur Bergung von Geisternetzen aus dem Fjord mitgewirkt. Dank dieser Zusammenarbeit hat der Limfjords-Rat bereits über 41 Tonnen Geisternetze aus dem Gebiet entfernt. Diese Zahl entspricht dem Trockengewicht der geborgenen Ausrüstung.

Ein Geisternetz im Limfjord
Die Rolle von KIMO: Ein vielschichtiger Ansatz für ein hartnäckiges Problem
Die Arbeit im Limfjord ist für KIMO International relevant, da die Stadt Aalborg sowohl Mitglied des Limfjords-Rates als auch von KIMO ist. Diese Verbindung verdeutlicht, wie lokale Initiativen Teil eines größeren Netzwerks werden können. KIMOs Engagement im Bereich der Geisteranlagen geht über dieses einzelne Projekt hinaus und umfasst Forschung, praktische Beratung für Kommunen sowie die Teilnahme an internationalen Diskussionen.
- Forschung und Verständnis2021 finanzierte KIMO Schweden eine Studie von Anna Axelsson, die in dem Bericht „Haunted Sea“ (Geistermeer) mündete. Der nun auch auf Englisch verfügbare Bericht untersucht die ökologischen Folgen von Geisternetzen, darunter den fortgesetzten Fang von Meerestieren, den Beitrag zur Mikroplastikverschmutzung und die Auswirkungen auf Lebensräume und Arten. Er stellt fest, dass fischereibedingte Abfälle schätzungsweise rund 27 Prozent des Meeresmülls in EU-Gewässern ausmachen.
- Praktische Leitlinien für KommunenAls Netzwerk lokaler Regierungen ist KIMO in der Lage, Forschungsergebnisse in praktische Empfehlungen umzusetzen. Als Mitglied von Globale Ghost Gear-Initiative (GGGI)KIMO hat dazu beigetragen, eine Reihe von „Sechs Schritte für Kommunen zur Bekämpfung von GeistergerätenDiese Richtlinien dienen den lokalen Behörden als Orientierungshilfe bei der Lösung des Problems. Sie umfassen:
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- Unterstützung der Annahmestellen im Hafen: Sicherstellen, dass Einrichtungen zur Entsorgung von Altgeräten verfügbar und bezahlbar sind.
- Unterstützung von Programmen zur Trümmerbeseitigung: Das GGGI hat KIMO zitiert Fishing for Litter Das Programm dient als Beispiel für bewährte Praxis. Es stattet Fischer mit Säcken zur Abfallsammlung an Bord aus, die anschließend angelandet und ordnungsgemäß entsorgt werden. Zudem trägt es dazu bei, das Bewusstsein für Meeresmüll in der Fischergemeinschaft zu schärfen.
- Sensibilisierung: Die Erkenntnis, dass Fischer ein wichtiger Teil der Lösung sind.
- Förderung der Meldung von Verlusten: Die Nutzung von Tools wie der Ghost Gear Reporter App der GGGI wird gefördert, um ein klareres Bild davon zu erhalten, wo Ausrüstung verloren geht.
- Planung für extreme Wetterereignisse: Unterstützung von Häfen bei der Entwicklung von Plänen zur Minimierung von Ausrüstungsverlusten bei Stürmen.
- Hilfe bei der Wiederverwendung von Ausrüstung: Unterstützung von Recyclinginitiativen, wie beispielsweise dem Meeresrecyclingzentrum in der schwedischen Gemeinde Sotenäs, einem KIMO-Mitglied.
- Diskussion fördern und bewährte Verfahren austauschenIm Jahr 2022 veranstaltete KIMO gemeinsam mit dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft ein internationales Webinar zum Thema Geisternetze. Das Seminar beleuchtete den aktuellen Wissensstand zu den Ursachen von angespülten Netzen im Nordatlantik. Eine Erkenntnis war, dass ein Großteil der an den Küsten gefundenen Netze aus kleineren Verschnitten besteht. Dies deutet darauf hin, dass verbesserte Abfallmanagementpraktiken an Bord von Schiffen einen wesentlichen Unterschied machen könnten. Die Ergebnisse unterstrichen die Bedeutung von Leitlinien für bewährte Verfahren, wie sie beispielsweise im Rahmen des KIMO-Projekts zur Entsorgung von Netzresten entwickelt wurden.
- Förderung von Initiativen zur Kennzeichnung von AusrüstungKIMO arbeitet derzeit mit HELCOM und der schwedischen Agentur für Meeres- und Wassermanagement zusammen, um Folgendes zu entwickeln: eine Reihe von BerichtenInformationsmaterialien und Leitfäden für bewährte Verfahren für Freizeitfischer sollen die Kennzeichnung von Angelgeräten als Mittel zur Vermeidung von Geräteverlusten fördern.
Fazit
Der Tod des Pottwals vor Aalbæk ist ein eindringliches Beispiel für die weitreichenden Folgen von Geisternetzen. Die von der Europäischen Union und dem dänischen Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei unterstützten Aufräumarbeiten im Limfjord zeigen, was durch lokale Zusammenarbeit erreicht werden kann. Das umfassendere Arbeitsprogramm von KIMO – eine Kombination aus Forschung, praktischen Instrumenten für Kommunen und internationaler Kooperation – ist ein kontinuierliches Bemühen, diese Form der Meeresverschmutzung zu bekämpfen und ihre Auswirkungen auf die Meeresumwelt zu verringern.




