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KIMO-Webinar beleuchtet die allgegenwärtige Bedrohung von Küstengemeinden durch PFAS
01.12.2025
Am Mittwoch, dem 26. November 2025, veranstaltete KIMO ein Webinar zum Thema „Vorkommen und Auswirkungen von PFAS auf Küstengemeinden: Was wissen wir und wie geht es weiter?“. Die Veranstaltung brachte Experten und politische Entscheidungsträger zusammen, um die alarmierende Ausbreitung von PFAS (per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen) in der Meeresumwelt und deren Folgen für Küstengebiete zu erörtern.
Das Webinar war ein voller Erfolg und lieferte wichtige Erkenntnisse über das Ausmaß des Problems. Wichtig ist auch die Veröffentlichung eines neuen praktischen Leitfadens, der den Kommunen helfen soll, Maßnahmen zu ergreifen.
Ein weit verbreitetes Problem in europäischen Gewässern
Die Sitzung begann mit einem eindringlichen Überblick von Magnus Løfstedt von der Europäischen Umweltagentur (EUA). Er präsentierte Daten aus dem jüngsten Briefing der EUA, die belegen, dass PFOS – eine ältere PFAS-Verbindung – in europäischen Gewässern weit verbreitet ist. Die Daten zeigten einen hohen Anteil an Überschreitungen der Grenzwerte: 47 % bis 100 % der überwachten Übergangs- und Küstengewässer erfüllten zwischen 2018 und 2022 den jährlichen durchschnittlichen Umweltqualitätsstandard nicht.
Herr Løfstedt betonte, dass die derzeitigen Überwachungsmaßnahmen unzureichend seien und nur eine begrenzte Anzahl von PFAS-Verbindungen und geografische Gebiete abdeckten. Er schlussfolgerte, dass diese weitverbreitete Präsenz die EU-Zielsetzung der Umweltverschmutzungsfreiheit und das Ziel eines guten chemischen Zustands der europäischen Gewässer ernsthaft gefährde.
Vom Meer zum Land: Ein unerwarteter Weg
Søren Rygaard Lenschow von NIRAS präsentierte anschließend überzeugende Beweise aus Dänemark für einen bisher unterschätzten Transportweg: den Transport von PFAS vom Meer zurück an Land über Meerschaum- und Gischt-Aerosole.
Seine Untersuchung an der Westküste Jütlands ergab eine PFAS-Belastung im Grundwasser, im Abwasser und in Trinkwasserbrunnen, wobei die Konzentrationen mit zunehmender Entfernung vom Festland abnahmen. Die Quelle konnte im Meer selbst lokalisiert werden. Die Analyse von nach einem Sturm gesammeltem Meerschaum zeigte astronomisch hohe PFAS-Konzentrationen von 120,000 ng/l – das 60,000-Fache des dänischen Trinkwassergrenzwerts.
Herr Lenschow erklärte, dass sich PFAS als Tenside an der Luft-Wasser-Grenzfläche anreichern. Wellen erzeugen Blasen und Aerosole, die stark mit diesen Chemikalien beladen sind und vom Wind landeinwärts getragen werden, wo sie sich auf dem Land ablagern und ins Grundwasser eindringen. Dieser Mechanismus hat zur Kontamination von Küstenwiesen geführt und stellt eine Gefahr für Weidetiere und Wildtiere dar.
Die Wissenschaft hinter dem Meerwasser-Sprühzyklus
Bo Sha, ein Postdoktorand der Universität Stockholm, untersuchte die wissenschaftlichen Zusammenhänge genauer und erklärte, wie der Ozean als bedeutendes globales Reservoir für historische PFAA-Emissionen fungiert. Seine Forschung zeigte, dass PFAS in der Oberflächenmikroschicht des Meeres stark angereichert sind und durch die Bildung von Meeresgischt-Aerosolen (SSA) wieder in die Atmosphäre gelangen können.
Dr. Sha erklärte, dass bei einigen älteren PFAS wie PFOA und PFOS die Freisetzung durch Meeresgischt mittlerweile höher ist als alle anderen direkten Emissionen in die Luft zusammen. Ein erheblicher Teil dieser Emissionen stammt aus Küstengewässern, und ein beträchtlicher Anteil lagert sich wieder an Küstenflächen ab. Er hob hervor, dass die geschätzten PFAS-Konzentrationen im Regenwasser in Dänemark besorgniserregend nahe am nationalen Trinkwasserrichtwert liegen, was dies als eine bedeutende und anhaltende Belastungsquelle für Küstengemeinden bestätigt.
Ein Aufruf zum Handeln für die Kommunen
Im Anschluss daran wurden im Webinar Lösungsansätze vorgestellt. Milou Grylls, die ihre Arbeit für KIMO präsentierte, erläuterte die entscheidende Rolle der Kommunen bei der Bekämpfung der PFAS-Belastung. Sie hob kommunale Verantwortungsbereiche wie Aufsicht, Raumplanung, Beschaffung und Wassermanagement als zentrale Hebel für Veränderungen hervor.
Sie präsentierte inspirierende Beispiele aus Kommunen in ganz Europa:
* Kungälv, Schweden: Untersuchung von PFAS in einer Trinkwasserquelle in Küstennähe.
* Lemvig, Dänemark: Entdeckung von Meerschaum als Quelle weit verbreiteter lokaler Verschmutzung.
* Veere, Niederlande: Kartierung von PFAS in Küstenböden und Einbindung besorgter Landwirte und Anwohner.
Einführung der neuen kommunalen Richtlinien von KIMO
Ein zentrales Ergebnis des Webinars war die Veröffentlichung des neuen Strategiepapiers von KIMO mit dem Titel „Bekämpfung der PFAS-Belastung – Leitfaden für Kommunen“. Dieser praxisorientierte Leitfaden skizziert eine vielschichtige Strategie für Kommunen mit besonderem Fokus auf das wirksame Instrument der PFAS-freien Beschaffung. Der Leitfaden bietet einen klaren Umsetzungsrahmen und empfiehlt Kommunen die Einrichtung von PFAS-Arbeitsgruppen, die Schulung von Beschaffungsbeauftragten und den Beitritt zu Tarifverträgen, um den Markt in Richtung sichererer Alternativen zu lenken.
Den Weg nach vorne planen
Das Webinar schloss mit einer interaktiven Fragerunde, in der die Teilnehmenden wertvolles Feedback gaben, um die dringlichsten Fragen zu priorisieren, die beantwortet werden müssen, um die Belastung der Küstengemeinden vollständig zu verstehen. Diese Beiträge werden maßgeblich die zukünftigen Interessenvertretungs- und Forschungsbemühungen von KIMO prägen.
Die zentrale Erkenntnis des Webinars ist, dass die PFAS-Belastung eine langfristige Herausforderung für Küstenregionen darstellt. Zwar benötigen Regulierungsmaßnahmen Zeit, um Wirkung zu zeigen, doch die lokalen Behörden sind nicht machtlos. Durch eine fundierte Politik, strategische Beschaffung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit können Kommunen bereits heute entscheidende Schritte unternehmen, um ihre Bevölkerung und die Umwelt vor der anhaltenden Bedrohung durch PFAS zu schützen.
Laden Sie die Aufzeichnung des Webinars herunter. Oder laden Sie für detailliertere Informationen bitte die unten stehenden KIMO-Dokumente herunter:




