KIMO freut sich, den erfolgreichen Abschluss des Webinars „Wie kann die Kennzeichnung von Angelgeräten in der Freizeitfischerei dazu beitragen, Geräteverluste zu reduzieren?“ bekanntzugeben. Das Webinar brachte Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Freizeitfischereigemeinschaften aus dem Ostseeraum und darüber hinaus zusammen. Es fand am 20. Januar 2026 statt und wurde von KIMO veranstaltet. Kommission zum Schutz der Ostseeumwelt (HELCOM) und organisiert von KIMO mit großzügiger finanzieller Unterstützung von Schwedische Agentur für Meeres- und Wassermanagement (SwAM).
Das Webinar befasste sich mit einer zentralen Umweltherausforderung: zurückgelassene, verlorene oder anderweitig entsorgte Fischereiausrüstung (ALDFG), eine bedeutende Quelle der Plastikverschmutzung und eine Bedrohung für das Meeresleben in unseren Meeren. Wie hervorgehoben wurde, HELCOM-VeranstaltungsseiteVerlorene Freizeitfischereigeräte – darunter Netze, Leinen und Fallen – tragen erheblich zur Meeresverschmutzung bei, verursachen Geisterfischerei, schädigen Lebensräume und zerfallen in Mikroplastik.
Die Diskussionen boten einen zeitnahen und umfassenden Überblick über die globalen und regionalen Bestrebungen zur systematischen Kennzeichnung von Angelgeräten für die Freizeitfischerei als wichtigstes Instrument zur Prävention und Verantwortlichkeit. Die Veranstaltung findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt, angesichts der neuen Durchführungsverordnung (EU) 2025/274 über die Kennzeichnung passiver Freizeitausrüstung, die im Januar dieses Jahres in Kraft tritt.
Globale Dynamik und EU-Politik: Der Handlungsrahmen
Das Webinar wurde mit einer Grundsatzrede von Joel Baziuk, dem stellvertretenden Direktor von Globale Ghost Gear-Initiative (GGGI)Die GGGI legte den Grundstein für die globale Krise im Zusammenhang mit verlorenem Fischereigerät. Sie unterstrich, dass verlorenes Fischereigerät eine hartnäckige Form der Plastikverschmutzung und die tödlichste Form von Meeresmüll für Wildtiere darstellt, wodurch Präventivmaßnahmen wie die Kennzeichnung von Fischereigerät dringend erforderlich werden.
Anschließend richtete sich der Fokus auf die konkreten Rahmenbedingungen für Maßnahmen. Haraldur Arnar Einarsson, Experte für Fischereigeräte bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), erläuterte den Zeitplan für die verpflichtende Kennzeichnung von Fanggeräten, die voraussichtlich bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit in Kraft treten wird, nach einer geplanten Änderung von Anhang V des MARPOL-Übereinkommens. Freiwillige Leitlinien zur Kennzeichnung von Fanggeräten Die VGMFG, unterstützt durch praktische Handbücher und Risikobewertungsrahmen, wurden als Eckpfeiler globaler Bemühungen hervorgehoben, die Rückverfolgbarkeit, den Umweltschutz, die Sicherheit und den Kampf gegen illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei) unterstützen.
Anschließend richtete sich der Fokus auf die Europäische Union, wo ein bedeutender Politikwechsel im Gange ist. Edgars Goldmanis von der Europäischen Kommission GD MARE Die überarbeitete EU-Kontrollverordnung wurde vorgestellt, die die Kennzeichnungsvorschriften für Fanggeräte auf die Freizeitfischerei ausweitet. Der Hauptgrund dafür ist eindeutig: Fischereibedingter Müll macht 27 % des Meeresmülls in der EU aus, wobei schätzungsweise 11,000 Tonnen Fischereigerät jährlich verloren gehen.
Die resultierende Durchführungsverordnung (EU) 2025/274 der Kommission Die Verordnung ist nun in Kraft. Sie schreibt die obligatorische Kennzeichnung passiver Angelgeräte (ausgenommen Handangelgeräte) mit einem Eigentümer-/Benutzerhinweis vor. Die Verordnung ist technologieneutral und lässt verschiedene Kennzeichnungsmethoden zu. Sie verlangt jedoch, dass die Kennzeichnung dauerhaft, sicher befestigt und auf der Wasseroberfläche sichtbar ist und die Zuordnung des Geräts zu seinem Benutzer ermöglicht.
Vor Ort: Nationale Umsetzung, Herausforderungen und Erkenntnisse
Im Mittelpunkt des Webinars standen nationale Fallstudien, die sowohl Fortschritte als auch anhaltende Hürden aufzeigten.
- Schweden (Per-Olof V. Andersson, Schwedische Agentur für Meeres- und Wasserwirtschaft): Schweden hob die Komplexität der Umsetzung der EU-Vorschriften in seinem bestehenden Rechtsrahmen hervor, in dem die Fischerei ein öffentliches Recht ist. Es wurden wichtige Fragen zur praktischen Anwendung der neuen EU-Vorschriften aufgeworfen, beispielsweise zu den Kennzeichnungsvorschriften für Verbundnetze und zur Anbringung von Etiketten an großen stationären Reusen. Schweden erwägt, die Kennzeichnungsvorschriften für Freizeitfischereigeräte aus Gründen der Einheitlichkeit an die Vorschriften für die kommerzielle Fischerei anzugleichen.
- Estland (Anu Albert & Robert Aps, Estnisches MeeresinstitutEstland präsentierte ein gut etabliertes System. Die Vorschriften schreiben eine gut sichtbare Kennzeichnung vor (z. B. spezielle Flaggenkonfigurationen für Netze, Bojengröße für Reusen) und eine eindeutige Identifizierung, die das Fanggerät mit der Genehmigungsnummer des Fischers verknüpft. Die Einhaltung der Vorschriften ist hoch, und es gibt freiwillige Meldungen. Herausforderungen bestehen jedoch in der zunehmenden Nutzung von Stellnetzen durch Freizeitfischer und dem Bedarf an einer verpflichtenden Verlustmeldung zur Verbesserung der Prävention.
- Dänemark (Arne Rusbjerg, Dänischer FreizeitfischerverbandDer dänische Fall, der die Perspektive der Fischer darstellte, bot eine offene Einschätzung. Zwar schreiben neue Vorschriften die Meldung von verlorenem Fanggerät vor, doch wurde ein wichtiges Problem deutlich: Kartierungsprojekte in Gebieten wie dem Limfjord ergaben, dass ein Großteil des geborgenen Fanggeräts nicht gekennzeichnet war, was auf illegale Fischerei hindeutet. Dies unterstreicht eine zentrale Herausforderung: Neue Vorschriften betreffen in erster Linie die gesetzeskonformen Fischer, und ihr Erfolg hängt von ausreichenden Ressourcen für die Durchsetzung der Vorschriften ab, um illegale Aktivitäten zu verhindern.
- Island (Haraldur Arnar Einarsson, Experte für Fischereigeräte der FAO): In Island gibt es seit Jahrzehnten Vorschriften zur Kennzeichnung von Stellnetzen (an Bojen und Ankern), jedoch keine Kennzeichnungspflicht für die Netze selbst. Die Regierung führte 2020 Vorschriften ein, die die Kennzeichnung sämtlicher Fischereigeräte (sowohl für die kommerzielle als auch für die Freizeitfischerei) vorschreiben. Die Fischer hatten anfangs Schwierigkeiten, ihre Netze zu kennzeichnen, da die Hersteller keine Kennzeichnungsausrüstung lieferten. Als Lösung begannen sie, ihre Geräte mit Ohrmarken für Nutztiere zu kennzeichnen. Die Zusammenarbeit mit den Lieferanten zur Vereinfachung der Kennzeichnung würde zu einer effektiveren Umsetzung der Vorschriften beitragen. Klare Richtlinien zur Meldung von verlorenem Fanggerät fehlen in Island jedoch weiterhin.
Die Straße entlang
Der abschließende Konsens war eindeutig:
- Die Kennzeichnung von Ausrüstung ist ein wichtiges und kostengünstiges Präventionsinstrument, das Verantwortlichkeit fördert, die Wiederfindung unterstützt und das Verlassen der Ausrüstung verringert.
- Zusammenarbeit ist unabdingbar. Eine erfolgreiche Umsetzung hängt von einer reibungslosen Kooperation zwischen Behörden, Fischern, NGOs und Wissenschaftlern ab.
- Die Kennzeichnung ist Teil einer umfassenderen Lösung. Sie muss mit Schulungen, verbesserten Systemen zur Entsorgung/zum Recycling von Ausrüstung und dem räumlichen/zeitlichen Management risikoreicher Aktivitäten verknüpft werden.
- Jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Angesichts der in Kraft getretenen EU-Regeln und der fortschreitenden globalen Standards markiert das Jahr 2026 eine entscheidende operative Phase, um politische Maßnahmen in konkreten Schutz für marine Ökosysteme wie die Ostsee umzusetzen.
Die Rolle von KIMO und ein Aufruf zur fortgesetzten Zusammenarbeit
KIMO fühlte sich geehrt, diesen wichtigen Dialog im Auftrag von HELCOM zu moderieren. Als Netzwerk lokaler Regierungen, die sich für saubere Meere einsetzen, ist sich KIMO bewusst, dass die Bekämpfung von Meeresmüll Maßnahmen auf allen Ebenen erfordert – von der internationalen Politik über die lokale Durchsetzung von Vorschriften bis hin zur Einbindung der Bevölkerung. Die Ostsee, ein sensibles und wertvolles halboffenes Ökosystem, ist ein Paradebeispiel dafür, wo regionale Zusammenarbeit, wie sie von HELCOM gefördert wird, unerlässlich ist.
Das Webinar unterstrich, dass die Kennzeichnung von Fischereigeräten mehr als eine bürokratische Anforderung ist; sie ist ein praktischer Schritt hin zu saubereren Meeren, größerer Verantwortlichkeit der Fischer und gesünderen marinen Ökosystemen.
KIMO dankt allen Rednern, Teilnehmern, HELCOM und dem Förderer SwAM für den Erfolg dieser Veranstaltung. Die heutigen Gespräche markieren nicht das Ende, sondern die Stärkung des anhaltenden regionalen Engagements, Politik in konkrete Maßnahmen umzusetzen.
Weitere Einzelheiten zum Webinar, einschließlich des vollständigen Kontexts und der von HELCOM dargelegten Ziele, finden Sie auf der Veranstaltungsseite: https://helcom.fi/helcom-at-work/events/events-2026/webinar-how-can-marking-of-recreational-fishing-gear-help-reduce-gear-loss/
Sie können die Videoaufzeichnung des Webinars auch auf dem YouTube-Kanal von HELCOM ansehen:
Über KIMO International:
KIMO International ist ein Netzwerk von Kommunen, die sich gemeinsam für saubere und gesunde Meere einsetzen. Wir bringen Kommunen, Häfen, Fischer und weitere Akteure zusammen, um praktische Lösungen für die Meeresverschmutzung zu finden, Küstengemeinden zu schützen und nachhaltige Praktiken zu fördern.
Über HELCOM:
Die Kommission zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee, auch bekannt als Helsinki-Kommission (HELCOM), ist eine zwischenstaatliche Organisation und das Leitungsorgan des Übereinkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseeraums (Helsinki-Übereinkommen). HELCOM setzt sich für den Schutz der Meeresumwelt der Ostsee vor jeglicher Verschmutzung ein, gewährleistet die Wiederherstellung ihres ökologischen Gleichgewichts und fördert die nachhaltige Nutzung ihrer Meeresressourcen. Die Kommission vereint die neun Ostseeanrainerstaaten und die Europäische Union, um Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen.
Über die schwedische Agentur für Meeres- und Wassermanagement (SwAM):
Die Schwedische Agentur für Meeres- und Wassermanagement (SwAM – *Havs- och vattenmyndigheten*) ist die staatliche Behörde, die in Schweden für das integrierte Meeres- und Wassermanagement zuständig ist. Ihre Aufgabe ist die nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung von Meeren, Seen und Flüssen, um einen guten Umweltzustand zu gewährleisten. SwAM entwickelt Wissen, berät und koordiniert nationale Maßnahmen zum Schutz aquatischer Ökosysteme, darunter die Bekämpfung von Meeresmüll, die Förderung nachhaltiger Fischerei und die Umsetzung nationaler und EU-Umweltgesetze.





